Die Übersetzung der ersten 50 Jahre…

Mit diesem Eintrag beginnt die Chronik des MGV Hasselsweiler im Jahre 1881.

Barbara Ervens hat als erste Chronistin die Aktivitäten und Geschicke des Vereins aufgeschrieben und mit Fotos versehen. Ein „Geschichts-Schatz“, der unbezahlbar ist.

In den ersten Jahrzehnten wurde die Chronik in altdeutscher Schrift verfasst. Bernd Baum aus Kirchberg hatte sich bereit erklärt, diese für uns zu übersetzen. Ein Auszug von 1881 bis zum 50. Jubiläum des Chores im Jahre 1931 sind anl. des Heimat-Dorf-Tages in Hasselsweiler nachfolgend zusammengestellt.

Der MGV dankt allen Engagierten, die bei der Dokumentation des MGV-Vereinslebens sowie des Dorflebens in Hasselsweiler mitgearbeitet haben und werden.

MGV Lätitia Hasselsweiler 1881 e. V.

Im Oktober 2023                                                                                    
Helmut Lieven

Vorwort

Die alten deutschen Reichsstädte und deren kernhaftes Bürgertum waren die Pfleger des sogenannten Meistergesanges. In diesem haben wir den Ursprung unserer heutigen Gesang-Genossenschaften, der Liedertafeln und Gesangvereinen zu erkennen. Denn die alten Meister waren nicht bloß Dichter, sondern Sänger und Liederkomponisten in einer Person, wobei der Nachdruck auf die letztere Eigenschaft dieser künstlichen „Drei-Einigkeit“ zu legen ist, da ein Meister nur der genannt wurde, welcher einen eigenen Ton, das ist „Eine Melodie“ erfand.
Der Handwerker, welcher die Sangeskunst nach der Tages Geschäften pflegte, in Zunft und Formwesen befangen, musste die Poesie in Formen wickeln, die unseren Augen allerdings etwas altväterlich steif herausgeputzt erscheinen ließ, wobei wir aber doch nicht die liebevolle Absicht verkennen dürfen. Bei der Derbheit dieses Schlages von Menschen, setzt eine große Tüchtigkeit und eine gute Natur voraus, daß man sich wieder in die Gesamtgunst der Sänger vereinte und verschloß, dass man sich ein gemeinsames Band um die Singerschaft zog, die zu einer rührenden Hingebung zu einem Zwecke stimmte, dem kein Eigennutz berührte, der von Gemeinheit und Niedrigkeit fernhielt, und nur Freundschaft und gutes Vertrauen begründen konnte.

Hatte doch Hans Sachs die edle Kunst des Singens so in Aufnahme zu bringen gewußt, daß um ihm dreihundertfünfzig Meister in Nürnberg waren. Die nun saßen nach der Last ihrer Tagesarbeit und dichteten ihre Lieder, sannen über neue Töne und übten die alten, schrieben alles in große Bücher zusammen und freuten sich, für ihre Nachkommen zu bewahren, was sie von ihren Vorfahren mit Liebe und Dankbarkeit übernommen hatte. Mit welchem Ernst der Meistergesang gepflegt wurde, und welche hohe Meinung von der Würde desselben hatte,  geht aus der Meinung dem Gebote der Meister an ihre Schüler hervor, daß  wenn an einem Orte etwa der Kunst oder Gesellschaft übel oder spöttisch sollte nachgeredet werden, sie solches mit Bescheidenheit widersprechen und an Kunst nicht zu kurz geschehen lassen sollten, daß sie kein Meisterlied auf öffentlichen Gassen Tags oder Nachts auch nicht bei Gelagen, oder an den üppigen Zusammenkünften wie auch nicht so sie sollten etwas bezecht sein, singen und hierdurch der Gesellschaft einen Schandfleck anhängen wollen. Jedoch wird ihnen erlabt gegen Fremde, so Verlangen fragen, ein Meisterlied zu hören, wenn man versichert, daß sie kein Gespött daran treiben werden, sich hören zu lassen. Wer ein Meistersänger werden wollte, hatte einen Meistersänger um Unterweisung anzugehen der wenigstens schon einmal das Kleinod gewonnen hatte und welcher die große Mühe, die besonders die Belehrung der schweren Töne verursachte, gerne und umsonst übernahm aus Liebe zur Kunst.

Ein Meisterlied wurde „Bar“ genannt, dessen sichere Erklärung selbst Grimm in seinem Wörterbuch nicht zu geben wußte. Ein Bar zerfiel in mehr oder weniger Gesätze und Verse, welche wieder in drei Teile, einen Aufgesang mit zwei Stellen wurden nach derselben Weise gesungen, der Abgesang wich davon ab. Ein Gesätz mußte mindestens fünf Reihenzeilen haben, konnte aber auch aus hundert bestehen, und die mehreren Gesätze eines Liedes wurden nicht immer nach derselben Weise gesungen, von dem nach mancherlei Tönen und Melodien, welche man mit den seltsamsten Namen belegte als: „Der vergulte Ton Wolframs“, „Der blühende Ton Frauenlobs“ und andere mehr. Der beste Sänger erhielt den ersten Preis, oder die Zierde des Gehänges wurde ihm zuteil. Das Gehänge ist eine lange silberne Kette von großen breiten Gliedern, welche mit den Namen derer, die sie machen ließen, bezeichnet waren und so viele geschenkte Silberpfennige hingen. Es mochte diese silberne Last unserem guten Hans Sachs, der sie oft getragen etwas unbequem geworden sein, denn er stiftete an ihrer Stelle eine seidene Schnur an welcher Drei große Silberne und Vergoldete Schillinge gebunden waren, und die der König David die Harfe spielend auf die Mitte der Größten befand. Zu Anfang des Achtzehnten Jahrhunderts als der Davidschilling sehr abgenützt war, stiftet Professor Wagenseil in Altdorf der Geschichtsschreiber, der Meistersänger, eine silberne Kette mit einer vergoldeten Medaille, der zweite Preis war ein Kranz von seidenen Blumen. Von dem Gelde welches bei dem Gesang Wettstreite eingegangen war, erhielten die Preisträger zwanzig Groschen. Ein Werker, zwanzig Kreuzer, mit dem Rest die Zeche bezahlt, soweit es eben reichen will. Wohl mutet uns die Art, der Art der alten Meisterin der Kunstpflege in ihren Regeln und starren Formen fremdartig, vielleicht pedantisch an. Dennoch wird sie ihren wohlerworbenen Platz in der Geschichte der Literatur und Kultur behaupten, und wir ihre Achtung nicht versagen können. Möge die heutige Generation in Dankbarkeit ihrer Vorfahren gedenken, welche zu Ehr und Preis so Hohes geschaffen, mögen sie aber auch den frommen Sinn und die strenge Zucht früherer Jahrhunderte stets vor Augen halten und ihnen nacheifern.

1881

Wenn wir die Geschichte des MGV Lätitia schreiben, wollen wir nicht nur allein Vereins-, sondern auch Kirchen- und Gemeinde-Angelegenheiten mit hineinbringen, auf das dieses Buch nicht abgeschlossen, sondern gewissenhaft weitergeführt, späteren Generationen eine Fundgrube der Heimatkunde sei. Vor Allem wollen wir in Dankbarkeit der Männer gedenken, die sangesfrohen Herzens sich um den Verein verdient machten.

Im März des Jahres 1881 kamen einige junge Männer zu mir, und baten mich, mit ihnen einige Lieder einzuüben. In diesem Jahre feierten zwei Paare ihre golden Hochzeit. Das Fest sollte an einem Tage stattfinden, um die Jubelpaare zu ehren und das Fest, an dem die ganze Gemeinde teilnahm, zu verschönern, wollten diese jungen Männer das Beste geben, was ein goldenes, treues, sangesfrohes Herz geben kann, ein schönes Lied …… Ich war nicht abgeneigt und prüfte die Stimmen. Wir wählten vier Lieder, die Noten schrieb ich anfangs selbst. In meinem Hause hatte ich ein Zimmer frei, hier hielten wir die ersten Proben ab, dann gingen wir zum Hof, um draußen noch einmal alles durch zu singen, dieses geschah an den Sonntags-Nachmittagen.
Nach den Übungsstunden wurden unter Jubel und Lachen, bei den Klängen einer Zieh-harmonika getanzt. Das Jubelfest wurde im Gasthaus Basten, jetzt Faßbender, gefeiert. Der Andrang zu dem Feste war so groß, daß der Festwirt den Hof dazu nehmen mußte, und noch fanden nicht alle Platz, und viele mußten umkehren. Wir sangen unsere vier Lieder, es klappte, und stolz auf unsere Leistungen gingen wir heim. Bei der nächsten Probe kamen wir überein einen Verein zu gründen. Damals bestanden hier im Ort noch keine Vereine, als nur der Kirchenchor. Wir nahmen daher Rücksprache mit dem damaligen Pfarrverwalter und späteren Domprobst Dr. Komunde, und dem Lehrer und Organist Zimmermann. Und unter der Bedingung in der Kirche am Hl. Kreuzfest und am Fronleichnamstage mitzusingen, wurde uns die Gründung des Vereins gestattet. Auch die Mitglieder des Kirchenchores schlossen sich uns an, die Proben wurden nun nach wie vor in meinem Hause gehalten. Für dirigieren erhielt ich pro Stunde 30 Pfg. Es wurden Statuten entworfen, ein Vorstand gewählt, und dem Verein den Namen „Lätitia“ das heißt Frohsinn gegeben. Als Präsident wurde Peter Lingens, als Schriftführer Johann Mühlfart, Kassierer Johann Joppen gewählt.  Dirigent blieb ich. Nun wurden regelmäßig Singabende abgehalten, auch die Chorsänger beteiligten sich daran. Das erste Lied, das wir zusammen in der Kirche sangen hieß: „ O Sanktissima!“ Herr Lehrer Zimmermann übernahm den Damen-, und ich den Männerchor. Die erste Einladung erhielten wir nach Opherten zur Fahnenweihe. Wir sangen die Lieder: „Wenn der Schnee von den Alpen niedertaut“, und O Wald mit deinen duftigen Zweigen. Auf diesem Fest wurden wir vom Morken –Harffer Gesangverein zum großen Sängerfest im Juli eingeladen. Auf diese Einladung sehr stolz, bei einem großen Sängerfest mitzusingen, nahmen wir freudig diese Einladung an. Diese Einladung war für unseren jungen Verein eine große Ehre und Anerkennung. Am Festmorgen brachten uns zwei schön geschmückte Wagen, bespannt mit je zwei Pferde dorthin. Wir waren zu 42 Personen, jedoch nicht alle waren Sänger. Auf dem Festplatz wurde uns allen, der Ehrenwein kredenzt. Dann wurde die Vortragsfolge ausgelost, und wir zogen No. 22. Es war Spätnachmittag als wir zum Singen kamen. Unser junger Verein erhielt den 2ten Preis. Der Jubel und die Begeisterung war groß. Auf der Heimfahrt überraschte uns ein furchtbares Gewitter. Gegen 23.00 Uhr trafen wir in Kirchherten an, alle Gaststätte geschlossen, und trotz allem Bitten kein Einlaß, damit wir ausspannen konnten. Es regnete in Strömen, es donnerte und blitzte. Zum Glück hatten wir den Fruchthändler Peter Anton Schmitz, dem die Pferde gehörten, bei uns, auf seine Bitten wurde uns geöffnet, und erst gegen 3 Uhr morgens kamen wir in Hasselsweiler an. Unser Ehrenmitglied Gastwirt Basten, hatte beim Abspringen vom Wagen das Mißgeschick, das ihm der Hosenboden platzte, schnell reparierte ich den Schaden. Bei dem Feste der Kirmes dankte er mir für den Gefallen mit einem Fäßchen Bier.

Soweit die Ausführungen des 80jährigen Herrn Hubert Lambertz

Die Gründer des Vereins 1881 waren: Dirigent:  Herr Hubert Lambertz

Johann Joggen I, Peter Lingens, Wilhelm Lorenz, Martin Korsten, Johann Piel, Mathias Wirtz, Josef Boß, Wilhelm Matzerath, Josef Diederichs, Johann Oellers, Johann Mühlfart, Gerhard Schiffer, Franz Herzog, Johann Joggen II, Leonhard Schiffer, Franz Mainz, Gottfried Lorenz, Wilhelm Schiffer, Fritz Jöggen, Johann Boy

1882 – 1886

Im Jahre 1882 beschlossen die Sänger neben Gesang auch Theater einzuüben; um ab und zu den Bewohnern des Ortes mit schönen Aufführungen erfreuen zu können. Nun wurde mein Zimmer zu klein, und wurde ein größeres beim Sangesbruder Bohs gemietet. Dies war für mich nicht angenehm, da ich zuweilen von meinem Schneiderhandwerk fort war, und konnte ich mich des Dirigieren nicht mehr annehmen, deshalb legte ich den Dirigentenstab in andere Hände. Der Dirigent war  Dederichs. Das Theaterspielen erforderte sehr große Ausgaben, so daß sich kaum die Einnahmen mit den Ausgaben deckten, wie aus alten Rechnungen ersichtlich. Herr Lehrer Zimmermann, welcher sich sehr um den jungen Verein verdient gemacht hatte, brachten wir am Vorabende seines Namenstages ein Ständchen. In demselben Jahre besuchte der Verein die Sängerfeste in Opherten am 27. Mai und Morken-Harff am 17. Juni. In den folgenden Jahren entfaltete sich der Verein zu den schönsten Blüten, sowohl im Gesang, als auch im Theater. Es ging kein Fest in der Gemeinde vorüber, wobei er nicht mitwirkte. Das Stiftungsfest wurde alljährlich Maikirmes, durch Konzert, Theater und Tanzmusik gefeiert. Sängerfeste besuchte der Verein 1884 am 22. Juni in Rödingen, am 10. August in Bourheim. 1885 am 2. August in Aldenhoven. 1886 in Birkesdorf.

1887

Ein Verein ohne Fahne ist wie ein Hund ohne Schwanz. Mit diesem Gedanken trugen sich auch die Sänger und beschlossen deshalb die Anschaffung einer Fahne, obschon in der Kasse Ebbe war, man also über keine Geldmittel verfügte. Sie wurde zum Preise von hundert und ein Taler bei der Bonner Fahnenfabrik in Auftrag gegeben. Frühkirmes fand unter vieler auswärtigen Vereine und namentlich der ganzen Gemeinde die Fahnenweihe statt. Den Vereinen wurde Ehrenwein kredenzt und zu diesem Zwecke 100 gekauft, welche im Backhaus von Johann Mühlfart aufbewahrt wurden. Bei heiterem blauen Himmel fand samstags das Schmücken der Dorfstraßen statt und der Donner der Böller eröffnete das Fest am Abend und dann ging unter Musikbegleitung ein Fackelzug durch die festlichen Straßen. Andern Morgens wurde jeder durch die Klänge „Freut euch des Lebens“ aus dem Schlafe geweckt. Nach Mittag trafen die fremden Vereine ein. Sie wurde von Mitgliedern des Vereins empfangen und zur offiziellen Begrüßung zum Festzelte gebracht, wo nach kurzen, beherzigten Worten, der Ehrenwein eingeschenkt wurde. Im großen Festzuge wurde die verhüllte Fahne durchs Dorf getragen, bis zur Festwiese, welche der damalige Pfarrer zur Verfügung gestellt hatte. Die Weiherede, welche im Original beigefügt ist, hielt Herr Johann Mühlfahrt. Nach dem Weihelied folgten die Gesangsvorträge der erschienenen Vereine. Das Fest nahm einen schönen Verlauf, und war, nachdem die Fahne, und sämtliche Unkosten bezahlt waren, ein Reinverdienst von 26,63 Mark vorhanden. Als nach den Tagen der Restbestand des Ehrenweines geprüft werden sollte, wurde festgestellt, daß durstige Sängerkehlen sich daran gelabt hatten, so daß verschiedene noch donnerstags kein Weißbrot beißen konnten. ( Se hodde schlie Zöng ) In demselben Jahr kam als neuer Pfarrer der hochwürdige Herr Joseph Brinken.

1888

In treuem Zusammenhalt mit dem Bruderverein Liederkranz Hottorf sang der Verein mit demselben dem Herrn Bürgermeister Aretz in Gevelsdorf zum 25jährigen Dienstjubiläum am 17. Februar ein Ständchen. Ebenso beteiligte sich der Verein durch Gesangsvorträge und Festrede des Herrn Mühlfart am Jubiläum des hl. Vaters Papst Leo XIII und erwiderte den Besuch des Gesangvereins Hilurin Borschemich, bei dessen Fahnenweihe am 27. Mai und nahm teil am 25jährigen Bestehen des Gesangvereins Liederkranz Hottorf.

1889

In diesem Jahr wurden die Gesangfeste in Selgersdorf, Gartzweiler und Wenrath besucht.

1890

Als zweiten Lehrer hatten wir Herrn Josef Leisten aus Mersch, der sich sehr für den Verein interessierte, leider aber früh starb, sodass Gesangverein und Schulkinder ihn schon Anfang April 1890 zur letzten Ruhe begleiteten. Dirigent wurde jetzt Herr Johann Joggen. Frühkirmes veranstaltete der Verein ein großes Gesangfest, woran zehn auswärtige Vereine teilnahmen. Herr Lehrer Zimmermann legte sein Amt nieder und wurde ihm zum Abschied ein Fackelzug veranstaltet und der Gesangverein ließ seine schönsten Lieder erschallen. Die Gemeinde beschenkte ihn zum Andenken an seine hiesige 47jährige Tätigkeit einen Betstuhl. Sein Nachfolger wurde Herr Lehrer Kugges aus Niedermerz. Besonders eifrige Sänger waren Wilhelm Lang und Leonhard Schiffer, welche, trotzdem sie in Müntz bzw. in Hottorf in Stellung waren, bei keiner Theaterprobe fehlten und den Weg nach Hasselsweiler nicht scheuten, um bei ihren Sangesbrüdern zu sein. Als Leonhard Schiffer in Hottorf heiratete, brachte der Verein ihm ein Ständchen. Wilhelm Lorenz hielt im Birnbaume eine Rede, nachher hatte die junge Frau alle Mühe, ihren Mann in Hottorf zu halten. Er wollte unbedingt mit den Kollegen wieder nach Hasselsweiler gehen.

1891

Im Winter herrschte starker Frost und Schneefall. In der Nacht vom 23. auf den 24. Januar setzte Tauwetter ein. Der Malefinkbach wurde zu reißenden Strom und nachts mußte die Bewachung gemacht werden, da das Wasser in Keller und Ställe eindrang. An verschiedenen Stellen war das Wasser 20 Meter breit, so daß der Verkehr der rechts und linksseitigen Bewohner ganz unterbunden war. An dem Tage sollte die Trauung des Dirigenten Herr Johann Joppen stattfinden. Sie mußte aber verlegt werden, da die Braut wegen der überschwemmten Straßen nicht zur Kirche kommen konnte. Am 21. Juni nahm der Verein am Feste des Quartett Vereins Jülich tei.

1892

Im Januar fand die goldene Hochzeit der Eheleute Gottfried Oellers statt. Auf dem von den Sängern zu recht gemachten Saale der Witwe Basten wurde die Festfeier gehalten. Am 24ten Juli besuchte der Verein das Fest des Gesangvereins Sängerkranz Körrenzig.

1893

Am 16. Juni mußte der Verein zu einer Sängerfahrt zum Feste des Gesangvereins Lipp bei Bedburg und am 6. Juli zum Gesangverein Frohsinn Linnich.

1894

Es fand in diesem Jahre eine ähnliche Überschwemmung statt, wie 1891. Der Verein hielt nur das übliche Stiftungsfest. Die Pfarrkirche wurde renoviert und die Orgel umgebaut, eine neue Kanzel beschafft und die Kirche, die bis dahin noch mit Kalk gestrichen war, in Öl ausgemalt.

1895

Der Verein half das Fest der goldenen Hochzeit der Eheleute Hilarius Schiffer verschönern. Während einiger Jahre wurden keine auswärtigen Feste besucht, sondern nur das Stiftungsfest gehalten. 1897 starb der hochwürdige Herr Pfarrer Krücken und als neuer Pfarrer wurde der hochwürdige Herr Josef Kochs ernannt. 
Der Verein beteiligte sich am 10. Juli an dem Sängerfeste Concordia Lövenich.

1899 – 1907

Es wurde in diesem Jahr das Fest der goldenen Hochzeit der Eheleute Heinrich von Wirth gefeiert. Sie wurde Maikirmes-Dienstag auf dem Festzelte in der Wiese des Herrn Coenen gegenüber dem jetzigen Krankenhause gefeiert, und waren 3 Jubelpaare Oellers, Schiffer, von Wirth in der Festwiese anwesend. In der Neujahrsnacht 1899 – 1900 wurde zur Feier der Jahrhundertwende um 24 Uhr ein Hochamt gehalten und bis andern morgens hielt der Verein durch Gesangsvorträge in den Wirtschaften die Stimmung aufrecht. Da der Dirigent aus dem Orte verzog, und kein anderer da war, der die Leitung übernahm, stellte der Verein das Singen ein und beteiligte sich fortan nur noch mit der Fahne bei den Dorffesten. 1904 war das goldene Priesterjubiläum unseres hochwürdigen Herrn Pfarrer Kochs, welches in großartiger Weise von der ganzen Gemeinde begangen wurde. Als Geschenk erhielt er einen neuen Baldachin. Es war ihm nicht vergönnt noch lange unter uns zu weilen, da er 1905 schon starb. Sein Nachfolger wurde Herr Pfarrer Metzmacher, der später Dechant wurde.

1908 – 1910

Am 19. März 1908 feierte ein Sohn unserer Gemeinde, Herr Wilhelm Schüller, seine Primiz. Er wurde am Vorabend in festlichem Zuge von der Station Ameln abgeholt und am elterlichen Hause vom Präsidenten des Vereins, Herrn Peter Lingens, in schwungvoller Rede begrüßt, auch im Namen der Gemeinde. Die Eheleute Bernard Lingen feierten am 29 Juni ihre Goldene Hochzeit in feierlicher Weise. Die Festversammlung fand in einem dazu hergerichteten Zelte auf dem Hofe der Wirtschaft Lingen statt.

1911 -1913

Im Herbst 1911 fand in hiesiger Gegend das Korpsmanöver des 8. Armeekorps statt. Täglich hatten wir neue Einquartierung von allen Truppengattungen. Infolge der in diesem Jahre herrschenden, großen Trockenheit konnten die Soldaten ohne Hinterlassung von Spuren durch die Felder fahren. In diesem Manöver sah man hier zum ersten Male einen Flieger. In demselben Jahre wurde im Kreise Jülich die elektrische Leitung gelegt und unsere Gemeinde angeschlossen. Die Zusammenlegung der Grundstücke in der Feldflur führte man durch und konnten die neuen Äcker im Herbst 1912 angetreten werden. Nun kam jeder mit seinem Acker an einem Weg, im Gegensatz zu früher, war dieselben zerstreut im Felde lagen, daß man zwei, drei, und oft noch mehr Leuten über ihr Feld fahren mußte, um auf sein Stück zu gelangen. Zu einem großen Dorffeste gestaltete sich im Dezember 1912 das 50 jährige Priesterjubiläum unseres Pfarrers Herrn Dechant Metzmacher. Ihm wurde zu seinem seltenen Feste ein neuer Chormantel geschenkt. Da er kränklich war, erhielt er einen Vikar in der Person des hochwürdigen Herrn Schrader.

1914 – 1921

Nach dem Tode des Herrn Dechanten Metzmacher wurde als neuer Pfarrer Herr Rudolph Borneswasser nach hier versetzt. Am 29. Juni feierte der Kreiskriegerverband in Stärke von 36 Vereinen hier sein Verbandsfest. Hier trafen sich die Krieger zum letzten Male vor dem Weltkrieg, da an demselben Tage das Kronprinzenpaar von Oestereich in Sarajewo ermordet wurde. Deshalb lagen die Tage des Juli Gewitter schwer auf unserem deutschen Vaterlande, denn der politische Horizont Europas erzitterte von Kriegsgerüchten. Da Russland an der deutschen Grenze Truppen zusammenzog und Frankreich mobil machte, sah sich unser Kaiser Wilhelm II gezwungen den 31. Juli abends 6 Uhr Heer und Flotte mobil zu machen. Erster Mobilmachungstag war der 2. August. 80 Leute unseres Ortes mußten zum Heeresdienst eintreten. Sie bereiteten sich durch Empfang der hl. Sakramente würdig auf die schwere Zeit vor. In den nächsten Tagen trafen große Truppenmassen ein, die aufs Beste bewirtet wurden und schon kündete der Donner der Kanonen den Beginn des Kampfes an. Es dröhnte gewaltig von Lüttich herüber und in welch großer Gefahr wir hier standen. Auf unsere Leute vom Heimatregiment 68 mußten bald in den Kämpfen an der Maas  ihren Mann stellen, war am 26. Aug. als erster aus hiesiger Gemeinde Hubert Fresen den Tod fürs Vaterland starb. Es mußten immer mehr zu den Waffen greifen, da wir von allen Seiten angegriffen wurden. Anfangs 1915 kamen schon Kriegsgefangene, um hier die Arbeit zu verrichten. Da uns überall von unseren Feinden die Zufuhr abgeschnitten wurde, mußten die Lebensmittel immer knapper werden. Das Brotgetreide wurde beschlagnahmt und das Backen der Brötchen verboten. Fleisch, Brot, Zucker, Butter und fast alle Lebensmittel gab es nur noch auf Karten. 1915 fiel mitten in den schrecklichen Krieg die Primiz eines Sohnes unserer Pfarre des hochwürdigen Herrn Josef Görtz, die nur in der Kirche feierlich begangen wurde. Im Jahre 1916 wurde Herr Dechant Bornewasser als Subregens an das Priesterseminar nach Köln versetzt und an seine Stelle der hochwürdige Herr Klemens Kery zum hiesigen Pfarrer ernannt. Derselbe wurde auch wieder Dechant. Nach dem Kriege übernahmen die Christenenserinnen (aus Aachen) Schwestern nach der Regel des hl. Augustinus, das von den Geschwistern Konen gestiftete Krankenhaus, welches im Laufe der Jahre zu einem dreistöckigen Hause umgebaut wurde. Es erhielt den Namen St. Marienheim.

1922

Im März kamen seine Bischöfliche Gnaden der hochwürdige Herr Franz Rudolf Bornewasser, der als Pfarrer von 1914 bis 1916 hier segensreich wirkte, zum Besuche unseres hochwürdigen Herrn Dechanten Kery nach hier. Bis dahin Weihbischof von Aachen war er zum Bischofe von Trier erwählt und wollte er sich von seiner ehemaligen Pfarre verabschieden. Er traf morgens hier ein, las die Frühmesse, spendete die hl. Kommunion und hielt im Hochamte eine Ansprache. Nach dem Hochamte trat dann das Doppel-Quartett zum ersten Male öffentlich auf. Es sang dem hochwürdigen Herrn an der Pastorat das Lied: „Die Himmel rühmen des ewigen Ehre“. Danach sprach Herr Peter Schöngen ein paar Worte zur Begrüßung. Der Bischof dankte sichtlich bewegt und spendete seinen Segen. Nach Ostern traten die noch lebenden Mitglieder des MännerGesangVereins Lätitia an das Doppelquartett heran mit dem Vorschlag letzteres aufzulösen und den MGV Lätitia wieder neu zu beleben. Dieser Vorschlag wurde ausgeführt und die alten Mitglieder als Ehrenmitglieder geführt. Zum Präsidenten des Vereins wurde Herr Arnold Dreesen gewählt und zum Schriftführer Herr Hermann Mülfarth, zum Kassierer Herr Michael Lingen. Der erste Präsident des Vereins, Herr Peter Lingens wurde Ehrenpräsident und der erste Dirigent Herr Hubert Lambertz wurde Ehrendirigent. Im Juli 1922 hielt nun der Verein sein Stiftungsfest in Form eines Konzertes unter Mitwirkung des MGV Amicitia Titz. Zu dem Zwecke wurde auf dem Hofe des Restaurant Lingen eine Tanzfläche gelegt und das Ganze überdacht. Nach einer Begrüßungsansprache des Ehrenpräsidenten wechselten die Liedvorträge der beiden Vereine ab. Abends hielt noch ein schöner Ball alles zusammen und konnte der Verein mit Stolz auf sein erstes Fest zurückblicken. Als der Dirigent Herr Jakob Lingen eine Stelle als Lehrer bekam und er dadurch die Leitung des Gesanges aufgeben mußte, fand der Verein einen anderen Dirigenten in der Person der Herrn Lehrers Schmitz aus Titz, der allerdings nicht unentgeltlich den Gesang leitete.

1923

Neujahr fand ein Konzert in der Schule, die wir nun auch als Übungslokal hatten, statt. Gleichzeitig war eine Kinderbescherung. Dazu hatten die Ehrenmitglieder Weizen gestiftet und erhielt jedes Kind eine Bretzel. Am Tage vor Fastnacht brachte der Verein dem Sangesbruder Gottfried Oellers zur Hochzeit in Sevenich ein Ständchen. Dort gab es dann Speise und Trank, so daß mancher Sänger in später Stunde wankend den Weg nach Hause antrat. Der Eingang des Jahres 1923 stand im Zeichen folgenschweren Geschickes. Das Industriegebiet an der Rur wurde von den Franzosen militärisch besetzt. Als Gegenmaßnahme legte die Reichseisenbahn den ganzen Verkehr im gesamten Rheinlande still. Durch Unterdrückung der Feinde und der Politik der deutschen Regierung trat eine Geldentwertung ein, die immer mehr anwuchs. In der Gemeinde entschloss man sich, den Gefallenen auf dem Friedhof ein würdiges Denkmal zu errichten. Da man nur mit Produkten bezahlen konnte, wurde in der ersten Versammlung 10 Sack Getreide gezeichnet. Das Denkmal lieferte der Bildhauer Derichs aus Baal. Die feierliche Einweihung fand am 23. April statt. Der Gesangverein verschönte die Feier durch den Vortrag zweier Lieder. „Im Feld des Morgends Früh“, Morgenrot“.  Am 6. Mai hielt der Verein ein großes Sängerfest unter Mitwirkung von 19 auswärtigen Vereinen. Das Tanzzelt war auf dem Markte und die Sängerwiese hatte Herr Josef Kreyes zur Verfügung gestellt. Bei gutem Wetter nahm das Fest einen schönen Verlauf. Da man in dieser Zeit die Erlaubnis der Besatzungsbehörde nachsuchen mußte, wurde uns das Mitführen eines bereits gemieteten Trommler und Pfeifenkorps verboten. Ebenso mußte der Verein dafür haften, daß keinerlei patriotische Lieder vorgetragen wurden. Anstelle der Trommler und Pfeifer spielte im Festzug der Instrumentalverein Lövenich. Trotzdem nahm soweit alles einen schönen Verlauf, bis abends beim Ball ein Mädchen von auswärts, einen, zur belgischen Bahnhofswache Ameln gehörenden Soldaten einen Tanz abschlug. Dieser holte seine Kameraden aus Ameln, welche nun in voller Ausrüstung mit Gewehr erschienen und die Auslieferung des Mädchens verlangten. Da hat man es der energischen und vernünftigen Eingreifen des Vorstandes und einiger anderer Männer zu verdanken, daß auch der Zwischenfall in Ruhe aufgelöst, die Hitzköpfe zurückgehalten und die Soldaten aufgefordert wurden, ruhig unseren Ort zu verlassen. Unser Mitglied Herr Josef Mülfarth begleitete sie sogar bis vor das Dorf. Die Einnahmen bei dem Feste betrugen 2149640 Mark und war nach Abzug der Ausgaben von 1346640 Mark noch ein Reinerlös von 803000 Mark vorhanden. Am 13.5. ging der Verein zum 50jährigen Jubelfest des Gesangvereins Gevenich. Beim Einzug in das Dorf zerbrach der herrschende Sturm unsere Fahnenstange und haben wir mit der notdürftig geflickten Fahnenstange den Festzug mitgemacht. Im Sommer beteiligte sich der Verein an der Fahnenweihe in Kirchtroisdorf. Auch wurden Konzerte in Gevelsdorf, Hottorf und Müntz besucht, wo der Dirigent auf einem Konzert, laut Kassenbuch 12000 Mark für Bier und Zigaretten erhielt. Das Lied „Hänsel und Gretel“ kostete am 1. August 118704 Mark. In diesem Jahr hielt der Verein auch die Herbstkirmes und zwar in Ermangelung eines Zeltes im provisorisch hergerichteten Saale der Witwe Franz Faßbender. Nachdem der Dirigent 50 Millionen erhalten hatte, war noch ein Gewinn von 37 Millionen vorhanden, welche allerdings nicht reichten, um einen Sack Weizen zu kaufen. Die Geldentwertung wurde immer größer, man rechnete bald nur noch mit Billionen. Da das Geld für den Dirigenten nicht mehr aufgebracht werden konnte, entschloss man sich einen anderen zu nehmen. Man einigte sich auf den Küster und Organisten von Spiel, Herrn Gerhard Görtz, der als Kind des Ortes, dem Verein als Sänger schon angehörte. Gegen Ende des Jahres wurde das Geld stabilisiert und eine Billion wurde nun Reichsmark.

1924

Bei der Generalversammlung im Januar, wurde Bernhard Matzerath zum Präsidenten gewählt. Das Stiftungsfest hielt der Verein in diesem Jahre nicht. Am 15.6. beteiligte sich der Verein an der Fahnenweihe des Gesangvereins in Kalrath. Zum 50-jährigen Jubelfest des Männergesangvereins Kirchberg ließ sich der Verein durch Herrn Reiff aus Müntz per Auto hinfahren. Die Rückreise führte uns über Jülich, Broich, Tetz, Boslar, Müntz. Hier brachten wir Herrn und Frau Reiff ein Ständchen, welches durch eine Flasche Cognak belohnt wurde.

1925

Der Verein besuchte in diesem Jahre die Fahnenweihen und Sängertreffen in Tetz, Hottorf und Titz.

1926

Der 1. Februar bracht der I. Zone der Rheinländer, wozu auch Hasselsweiler gehörte, die Befreiung von der Besatzung durch fremde Truppen. Es ging durch die Einwohnerschaft begeisterter Jubel, als in der Nacht vom 31. Januar zum 1. Februar die Stunde der Befreiung schlug. Eine Stunde lang läuteten die Glocken und die Jungmannen begrüßten die denkwürdige Stunde durch lebhaftes Schießen aus Böllern und Waffen aller Kaliber. Maikirmes hielt der Verein anlässlich seines 45-jährigen Bestehens ein Sängerfest und wieder erschienen 17 auswärtige Vereine. Während des Festzuges überraschte uns ein schwerer Regen, wodurch derselbe frühzeitig aufgelöst wurde. Nach Aufhören des Regens nahm das Fest einen ungestörten schönen Verlauf. Dienstags spielten wir Theater. Am 20. Juni nahmen wir am 50-jährigen Jubelfeste des Gesangvereins Hilaria Gevelsdorf und im Juli an der Fahnenweihe des Gesangvereins Pesch bei Immerath teil. Der September brachte dem Dorfe Ersatz für die im Kriege beschlagnahmten Glocken. Sie wurden von der Firma Otto in Hemelingen geliefert und am 26. September in festlichem Zuge von der Bahn in Ameln abgeholt. Am Eingange des Dorfes hatte sich die ganze Gemeinde zum Empfang versammelt und der Gesangverein begrüßte die neuen Glocken durch das Lied: „Die Himmel rühmen des ewigen Ehre“ mit Orchesterbegleitung. Nachmittags fand die kirchliche Weihe statt.

1927

Von jetzt ab hielt der Gesangverein sein Stiftungsfest bei Gelegenheit der Frühkirmes und, bis zur Neugründung des Kriegervereins, alljährlich am Gefallenengedenktag eine Gedächtnisfeier am Kriegerdenkmal. Ebenso wurde einige Jahre mit den Schulkindern eine Weihnachtsfeier veranstaltet, in der der Verein mehrstimmige Lieder sang und Theaterstücke aufführte. Der Verein beteiligte sich auch an der Abschiedsfeier für den Herrn Lehrer Kappes. Im Jahre 1927 nahm der Verein an den Sängerfesten in Altdorf, Welldorf, Holzweiler und der Fahnenweihe des Gesangvereins Eintracht in Titz teil.

1928

Seit der Neugründung des Kriegervereins feiern beide Vereine ihre Feste gemeinschaftlich, wenn der eine Verein ein Fest hat , beteiligt sich der andere daran. Seit der Zeit stellen die Vereine die Musik zu den Prozessionen am Kreuzfest und Fronleichnahm und gehen geschlossen mit Fahne und schwarzen Anzug und  Zylinder mit. Den Bemühungen des Vereins ist auch das Aufleben des St. Martinszuges zu verdanken. Im Juni machten wir einen Ausflug nach Nideggen – Heimbach – Talsperre. Morgens um 5 Uhr fuhren wir mit 2 Autos bis Nideggen, wo wir gegen 7 Uhr im strömenden Regen ankamen. Nach Erfüllung der Sonntagspflicht marschierten wir zum Bahnhof, wo wir schon ziemlich nass ankamen, aber gleich durch ziemlich große Schnäpse entschädigt wurden. Dann gings mit der Bahn nach Heimbach und nun hatte das Wetter sich aufgeklärt, so dass wir den Weg nach Kloster Mariawald und weiter zur Talsperre antreten konnten. Nachmittags gings zurück bis Nideggen und dort wurde die Burg besichtigt. Da ein Auto defekt hatte, mußten wir getrennt nach Hause fahren und so kamen die Letzten nachts um 1 Uhr hier an. Aus der Kasse wurden 80 Mark dazu verausgabt.

1929

Im Januar wurde Herr Jakob Langen zum Präsidenten des Vereins gewählt. Zur Fastnachtszeit 1929 hielt der Verein ein Kaffeekränzchen im Lokale von Herrn Wilh. Jussen, mit nachfolgender Gala- Damensitzung. Durch Büttenreden und Vorträge wurde der Abend in heiterster Stimmung verbracht. Im Frühjahr feierte das Ehepaar Franz Görtz und Klara Müller ihre goldene Hochzeit, woran sich der Verein beteiligte, indem er morgens um 5 Uhr am Hause des Jubelpaares das Lied „Das ist der Tag des Herrn“ sang. Auch wurden bei der abends stattfindenden Feier einige Lieder gesungen. Der Verein trat in diesem Jahre dem Kreissängerbund Jülich bei, und wurde nun auch Mitglied des Rheinischen und Deutschen Sängerbundes. Das Kreissängerfest fand in Opherten statt. Der Verein beteiligte sich mit Fahne am Unterbundesfest in Aachen am 30. Juni 1929. Im Juni wurde ein Ausflug ins Ahrtal gemacht und dazu 2 große Autos benötigt. Dieser Ausflug, den 56 Damen und Herren mitmachten, gehört mit zu den schönsten Erinnerungen; denn wir haben das Ahrtal von Altenahr bis Neuenahr durchwandert und den Wein in vielen Sorten probiert. Da unsere Autos uns abends im Stich ließen und das erste erst gegen 1 Uhr nachts in Neuenahr die eine Hälfte abholten, nahmen die anderen dort ein Auto und trafen um 5 Uhr morgens
hier ein. Zu diesem Ausflug zahlte die Vereinskasse 100 Mark. Anfang Juli war Herr Weihbischof Hummels zur Firmung hier. Beim Errichten des Empfangstriumphbogens fiel unser Mitglied Herr Heinrich Claßen so unglücklich, daß er ein ½ Jahr im Krankenhaus lag und seitdem an 2 Stöcken geht. Im Laufe des Jahres entstanden zwischen Verein und Kirchenchor Unstimmigkeiten. Die Schule wurde uns als Übungslokal entzogen, dann aber durch die Regierung uns wieder freigegeben. Gegen Ende des Jahres kam eine Einigung zu Stande, hoffentlich zum Besten beider Vereine. Im Juli besuchte der Verein den hochwürdigen Herrn Pfarrer Görtz in Wissersheim, wo er einen schönen Nachmittag verlebte. Der Autobesitzer Spelters aus Jülich fuhr uns unentgeltlich dorthin, zur Entschuldigung für das stundenlange Warten auf dem Ausflug in Neuenahr.

1930

Dieses Jahr wurde im Februar eingeleitet durch ein Kaffeekränzchen mit Gala-Damensitzung. Diesmal konnte die Restauration Lingen die Mitglieder mit Anverwandten kaum fassen, da der Verein, durch die Einigung mit dem Kirchenchor stark angewachsen war. Unser Vorsitzender Herr Jakob Langen hatte unseren Ausflug an die Ahr in eine Büttenrede verfasst, die im Wortlaut folgt:Die Büttenred es op platt, do benn ich noch dran.  Anfang Juli war ein Ausflug nach Koblenz Ahrenberg und auf dem Rückwege wurde das Ahrtal noch durchfahren. Schon wieder wurden wir vom Mißgeschick verfolgt, da ein Auto dauernd Panne hatte und es kamen die Letzten wieder Montags morgens gegen 5 Uhr hier an. Die Vereinskasse gab einen Zuschuss von 100 Mark. Das Kreissängerfest fand in Dürwiss statt und fuhr der Verein mit Auto dahin. Auch wurde das Sängerfest in Körrenzig besucht. Da die Fahne des Vereins sehr schlecht war, wurde beschlossen zum 50jährigen Jubelfeste eine neue zu beschaffen. Nach Verhandlungen mit mehreren Firmen, gab man sie der Firma W. Wefers in Köln zum Preise von 650 Mark in Auftrag.  Auf Wunsch unseres Herrn Dechanten, der uns mit seiner Erfahrung zur Seite stand, kam auf die Vorderseite das Bild der hl. Cäcilia und auf die Rückseite das Wappen der Ritter von Hassel.

1931

Da der Verein in diesem Jahre das Fest des 50jährigen Bestehens feiern kann, wurde in der Generalversammlung beschlossen, dieses Fest am 14. Juni zu begehen. Der Vorstand wurde beauftragt, dazu Tanzzelt und Musik zu mieten und überhaupt alle nötigen Schritte zu tun, um ein schönes Gelingen des Festes zu sichern. Auf die Wahl eines Festausschusses verzichtete man und erklärte die aktiven Sänger dazu. Unser Bürgermeister Herr Martin Vaasen übernahm das Protektorat über das Fest. Jetzt stehen alle Arbeiten des Vereins im Zeichen der Fahnenweihe und des Jubelfestes. Am 8. 2. 1931 fand ein bunter Abend als Familienfeier statt, mit gleichzeitiger Ehrung der Mitglieder, welche nach dem Kriege den Verein wieder ins Leben riefen. Mit Rücksicht auf die Kosten für die neue Fahne und das Jubelfest wurde auf das Kaffeekränzchen verzichtet. In rascher Folge Büttenreden, Vorträge und kleine Theaterstücke, so daß wohl jeder voll befriedigt nach Hause ging. Dem Verein wurde auf der Delegiertenversammlung des Kreissängerbundes das Bundesfest übertragen, welches mit dem Jubelfest zusammen stattfinden soll. Am 15. März, dem Sonntag nach dem Jahrestag der Gründung, welche vor nun mehr 50 Jahren am 12. März 1881 stattfand, wurde die Frühmesse für die Lebenden und Verstorbenen gelesen und in derselben gingen aktiven, inaktiven und Ehrenmitglieder geschlossen zur hl. Kommunion. Um 5 Uhr nachmittags fand eine Festversammlung statt. Dazu hatten die jüngeren Sänger die Oberklasse der Schule einen schönen Festsaal hergerichtet. Als Gäste waren anwesend Herr Gutsbesitzer Decker, als Vertreter des erkrankten Bürgermeisters Herr Gemeindevorsteher Heinrich Wirtz und der Vorsitzende des Kreissängerbundes  Herr Hauptlehrer Fröls mit dem Geschäftsführer Zimmermann. Nachdem der Vorsitzende alle Erschienenen begrüßt hatte, beglückwünschte Herr Decker im Namen der Bürgermeisterei und Gemeinde der Jubilare und Vereine. Dann nahm der Vorsitzende des Kreissängerbundes die Ehrung der Sängerjubilare vor und überreichte ihnen den Ehrenbrief des Deutschen Sängerbundes. Es sind die Ehrenmitglieder:  Hubert Lambertz, Peter Lingens, Johann Paul, Johann Oellers, Martin Korsten, Wilhelm Matzerath. Der Vereinsvorsitzende übergab die nun fertiggestellte Chronik. Damit die Festversammlung nicht zu trocken ablief, hatte der Verein Freibier zur Verfügung gestellt. Der Bericht aus dem Jülicher Kreisblatt ist beigeheftet. Nun reihten sich Besprechung an Besprechung um dem Jubelfest einen würdigen Verlauf zu sichern. Mit dem Zeltbesitzer Wienand Schnitzler, Müntz, wurde verhandelt, und ihm der Auf- bau der Zelte übertragen. Frühkirmes 400 qm Tanzzelt, Jubelfest 500 qm Tanzzelt und 400 qm Sängerzelt franko mit Beleuchtung und je Stunde 1 Glas Bier für jeden Musiker dazu RM 175 in bar. Als Musik wurde Kapelle Maurer Kofferen gemietet, ebenfalls für beide Feste. Auch wurde die Herausgabe einer Festschrift beschlossen. Am 3. Mai feierte der Verein die Frühkirmes in gewohnter Weise. Montagmittag kam ein Vertreter der Westdeutschen Landeszeitung aus Mönchengladbach und machte eine Aufnahme des Vereins, welche hier beigeheftet ist. Zum Kreissängerbundesfest widmete der Herr Lehrer Schmitz aus Titz, als ehemaliger Dirigent, dem Verein einen Sängergruß. Er hat ihn vertont und er soll zum Fest zum ersten Mal aufgeführt werden. Immer höher schlugen die Wogen der Begeisterung und das ganze Dorf war sich einig das Fest recht schön zu gestalten. Die Fahne war fertig und wurde Anfang Juni abgeholt. In der Versammlung, die Fronleichnam stattfand und der letzten Besprechung galt, erklärte der Verein, daß die Sachen zur vollen Zufriedenheit ausgefallen sei. Fortan hörte man Festreden und überlegen, wie man das Dorf und die beiden Festzelte ausschmücken sollte und am Samstag dem 13. Juni sah man nur noch schmücken. An den Dorfeingängen wurden Ehrenpforten errichtet und einer wollte den anderen übertreffen. Am Abend krachten die ersten Böller und das ganze Dorf prangte im Schmuck. Tausende Menschen trafen von nah und fern ein, so dass die große Festhalle dieselben nicht fassen konnte. Der Vorsitzende des Kreissängerbundes traf mit dem Geschäftsführer ein, und eine schönere Festversammlung hat Hasselsweiler wohl noch nicht gesehen. Ein großartiges Feuerwerk beschloss den Samstagabend. Über den Samstag und dem eigentlichen Festtag erübrigt sich mehr zu schreiben, mögen die beigefügten Zeitungsausschnitte über alles berichten. Das Jubelfest war ein echtes Dorffest in des Wortes vollster Bedeutung und der Gesangverein darf stolz darauf sein. Möge dieser Sängergeist und die Treue zum Verein nicht erlöschen, dann wird der Gesangverein „Lätitia“ weiter blühen und
gedeihen und auch Stürmen und Not, die vielleicht nicht erspart bleiben, glücklich überstehen, zum Wohle des Dorfes, auch zur eigenen Freude und nicht zuletzt auch zur Ehre des Allerhöchsten. Getreu dem Wahlspruch der neuen Fahne  „Soli Deo“ –  „Gott allein“,  das ist der Wunsch des Chronisten. Am 15. August fand die Primiz eines Sohnes der Gemeinde des hochw. Herrn Benediktinerpater Paulus Matzerath statt. In Gemeinschaft mit dem Kriegerverein holten die Vereine ihn am Eingange des Dorfes mit Musik ab und sang dort, wie auch am Elternhause zum Empfang ein Lied. Ebenso beteiligten wir uns am nächsten Morgen mit der Fahne an der feierlichen Prozession, womit der hochw. Herr von seinem Elternhause zur Kirche geleitet wurde. Auch dieses Fest gestaltete sich zu einem recht schönen Bekenntnis zu kath. Glauben und Priestertum. Unser Bürgermeister Herr Martin Vaasen trat in den Ruhestand und Herr Ludwig Decker wurde Bürgermeister. Auch hier ließ der Verein es sich nicht nehmen, ihn am Tage seiner Einführung durch einige Lieder zu erfreuen und ihm unseren Glück- wunsch darzubringen. Sieben Liter alter Korn war der Lohn für den Verein und mancher Sänger kam wankend zu Hause an. Das Jubeljahr ist beendet und möge es dem Verein vergönnt sein nach weitere 50 Jahren sein 100 jähriges Bestehen zu feiern, in Treue, Einigkeit und echtem deutschen Sängergeist. …………………………..

Die Aufzeichnungen der ersten 50 Jahre des MGV Lätitia zeigen einmal mehr, wozu Gemeinschaft und Einsatz führen kann. 2022 konnte der MGV auf 140plus1 zurückblicken. Der MGV im Jubeljahr 2022!

Im Jahr 2023 ist der MGV Hasselsweiler mit 20 bis 25 Sängern noch immer ein aktiver und junggebliebener Männerchor. Danke an alle, die dies mit wöchentlichen Proben, Auftritten und Veranstaltungen möglich machen.

Gerne machen wir auf unser traditionelles Weihnachtssingen immer jeweils
am 3. Weihnachtstag aufmerksam. Auch in diesem Jahr freuen wir uns euch am 27.12. um 17.00 Uhr am Bürgerhaus Hasselsweiler begrüßen zu dürfen. Mit einem bunten Programm und gemeinsamen Singen lassen wir das Weihnachtsfest nachklingen – natürlich auch mit dem ein oder anderen Glühwein. Wir freuen uns auf euch.   

Infos auch unter www.mgv-hasselsweiler.de oder facebook MGV Hasselsweiler

Herausgeber dieser Zusammenstellung: MGV Lätitia Hassweiler 1881 e. V., Westend 7, 52445 Titz-Hasselsweiler, info@mgv-hasselsweiler.de Ansprechpartner: Helmut Lieven

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